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»Hier spring ich morgens aus dem Bett, wenn der Morgen graut, bleib am Schreibtisch sitzen bis Abends 7 Uhr oder auch bis 4 Uhr. Nach Tisch spring ich in den Garten, um mich mit den Geistern zu unterhalten, aber nur zehen Minuten und dann wieder ans Schreiben, bis der Meier die Leute weckt, das ist um 3 Uhr, dann mache ich mich auch ins Bett und lese nun schon 4 Wochen in der spoekenden Witwe, bin immer noch auf der ersten Seite, weil ich allemal drüber einschlafe (...). Diese treffliche Einsamkeit macht mich glücklich.«

Als dies Bettina von Arnim im November 1849 aus Wiepersdorf an ihre Schwester Gunda von Savigny schrieb, hatte sie sieben Kinder großgezogen und lebte nach dem Tod ihres Mannes Ludwig Achim von Arnim ihr »drittes Leben« als Künstlerin und Schriftstellerin. Erst jetzt konnte sie die Ruhe des ländlichen Wiepersdorfs schätzen.

Schloss Wiepersdorf

Wiepersdorf liegt im Niederen Fläming, »diesem frühschlafenden Land-Strich hinter den Wäldern«. So beschrieb Sarah Kirsch in ihrem 1973 entstandenen Gedichtzyklus Wiepersdorf das karge Land zwischen Altes Lager und Wasserheide. Das Dorf mit seinen 200 Einwohnern gehörte einst zusammen mit Meinsdorf, Rinow, Herbersdorf, Weissen und Kossin zum Ländeken Bärwalde. Einen Bahnanschluss nach Leipzig, Potsdam und Berlin gibt es in Jüterbog, einer alten Garnisonsstadt, die zur Zeit der Romantik Märkisches Mantua genannt wurde und in der bis vor kurzem mehr russische Soldaten als Zivilisten lebten.

Das Dichterpaar Ludwig Achim und Bettina von Arnim war 1814 von Berlin nach Wiepersdorf übersiedelt. Doch nach drei Jahren zog es Bettina wieder ins gesellschaftliche Leben Berlins zurück; sie nahm eine Wohnung Unter den Linden, und ihr Mann, der als Gutsherr und Dichter in Wiepersdorf blieb, schickte ihr dann und wann einen Pferdewagen mit frischem Gemüse, Eiern und Fleisch in die preußische Hauptstadt.

Ende des 19. Jahrhunderts ließ ein Enkel des Paares, der Maler Achim von Arnim, das Gutshaus zu dem Barockschlösschen umbauen, das der Besucher heute vorfindet. Die Familie von Arnim bewirtschaftete das Anwesen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

Nach 1947 wurde Schloss Wiepersdorf als Arbeits- und Erholungsstätte für Schriftsteller und Künstler genutzt. Namhafte Schriftsteller der DDR waren hier zu Gast, unter ihnen Anna Seghers, Christa Wolf, Peter Hacks, Arnold Zweig, Karl Mickel und Sarah Kirsch. Doch es waren nicht nur die Einsamkeit und Ruhe, die die Dichter nach Wiepersdorf zogen, sondern vielmehr der Genius loci: die Romantik - »Hier ist das Versmass elegisch / Das Tempus Praeteritum / Eine hübsche blassrosa Melancholia / Durch die geschorenen Hecken gewebt«, schreibt Sarah Kirsch. Eine Gestimmtheit, die Peter Hacks ins Satirische wendet: »...wo oft in Schwermut, selten in Gedanken / die deutschen Dichter alle Pilsner tranken.«

Mit der Wiedereröffnung von Schloss Wiepersdorf als Künstlerhaus der Stiftung Kulturfonds wurde 1992 an die literarische Tradition angeknüpft. Die Stiftung Kulturfonds wird getragen von den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Außerdem unterhält sie das Künstlerhaus Lucas in Ahrenshoop und unterstützt zahlreiche künstlerische Projekte.

Das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf fördert als eines der größten Künstlerhäuser Europas Schriftsteller, bildende Künstler, Komponisten, Geisteswissenschaftler und Publizisten aus dem In- und Ausland mit Stipendienaufenthalten und Arbeitsmöglichkeiten. Alljährlich vergibt eine internationale Jury die Stipendienplätze der Stiftung Kulturfonds. Weitere Stipendiaten werden von den Kulturministerien der Länder, dem Österreichischen Bundesministerium für Wissenschaft, Verkehr und Kunst, der Schweizer Kulturstiftung PRO HELVETIA, der Finnish Cultural Foundation und durch das Austauschprogramm Virginia Center of Creative Arts entsandt.

In Lesungen, Vorträgen, Ausstellungen, Performances und Konzerten stellt das Haus die Arbeiten der Künstler vor. Symposien zu Themen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft - die Wiepersdorfer Gespräche - setzen Akzente im kulturtheoretischen Diskurs. Zu Ostern, Pfingsten und einem großen Sommerfest öffnet das Künstlerhaus seine Türen für Besucher. Ganzjährig geöffnet sind der denkmalgeschützte Park sowie der Schlossfriedhof mit den Gräbern des Dichterpaares.


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